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Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte

Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte

Kantate zum 2. Pfingsttag, für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Oboe I+II, Taille, Corno da caccia I+II, Streicher und Basso continuo

In aller Grossartigkeit blieb Bach stets bodenständig und neigte an sich kaum zur kompositorischen Hybris. Doch der von ihm 1729 in der Sinfonia zur Kantate BWV 174 vorgelegte Versuch, den bereits zehnstimmigen Kopfsatz des Brandenburgischen Konzertes Nr. 3 noch um ein obligates Hörnerpaar sowie einen Oboen-Streicher-Chor zu erweitern, kommt in seiner kühnen Meisterschaft einer solchen doch ziemlich nahe. Ob Bach so den in der Kantate thematisierten himmelweiten Unterschied zwischen göttlicher Majestät und unvollkommenem menschlichem Liebesstreben ausdrücken wollte, muss offenbleiben. Die auf dieses massive Portal folgenden Rezitative und Arien versuchen sich jedenfalls nicht an einer weiteren Überbietung, sondern setzen ganz auf dezente Klangfarben und klug disponierte Unisonoführungen.

Kantate zum 2. Pfingsttag, für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Oboe I+II, Taille, Corno da caccia I+II, Streicher und Basso continuo In aller Grossartigkeit blieb Bach stets bodenständig und neigte…

Kantate zum 2. Pfingsttag, für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Oboe I+II, Taille, Corno da caccia I+II, Streicher und Basso continuo

In aller Grossartigkeit blieb Bach stets bodenständig und neigte an sich kaum zur kompositorischen Hybris. Doch der von ihm 1729 in der Sinfonia zur Kantate BWV 174 vorgelegte Versuch, den bereits zehnstimmigen Kopfsatz des Brandenburgischen Konzertes Nr. 3 noch um ein obligates Hörnerpaar sowie einen Oboen-Streicher-Chor zu erweitern, kommt in seiner kühnen Meisterschaft einer solchen doch ziemlich nahe. Ob Bach so den in der Kantate thematisierten himmelweiten Unterschied zwischen göttlicher Majestät und unvollkommenem menschlichem Liebesstreben ausdrücken wollte, muss offenbleiben. Die auf dieses massive Portal folgenden Rezitative und Arien versuchen sich jedenfalls nicht an einer weiteren Überbietung, sondern setzen ganz auf dezente Klangfarben und klug disponierte Unisonoführungen.

Das Werk im Kirchenjahr

ZUM KIRCHENKALENDER

Komponiert für

zum 2. Pfingsttag

Nächster Termin am

17. Mai 2027

In 346 Tagen


Alle Werke zu diesem Anlass

Perikopen zum Sonntag

Perikopen sind die biblischen Lesungen zu den Sonn- und Festtagen im Kirchenjahr, für die J. S. Bach komponierte.

Und er hat uns geboten, zu predigen dem Volk und zu zeugen, dass er ist verordnet von Gott zum Richter der Lebendigen und der Toten. Von diesem zeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten. Und die Gläubigen aus den Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen ward; denn sie hörten, dass sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: «Mag auch jemand das Wasser wehren, dass diese nicht getauft werden, die den Heiligen Geist empfangen haben gleichwie auch wir?» Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Da baten sie ihn, dass er etliche Tage dabliebe.

Und er hat uns geboten, zu predigen dem Volk und zu zeugen, dass er ist verordnet von Gott zum Richter der Lebendigen und der Toten. Von diesem zeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten. Und die Gläubigen aus den Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen ward; denn sie hörten, dass sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: «Mag auch jemand das Wasser wehren, dass diese nicht getauft werden, die den Heiligen Geist empfangen haben gleichwie auch wir?» Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Da baten sie ihn, dass er etliche Tage dabliebe.

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges tut, der hasst das Licht und kommt nicht an das Licht, auf dass seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt an das Licht, dass seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan.

Aufnahmen

Die Videos zur Werkeinführung, zum Konzert und zur Reflexion werden in Kürze veröffentlicht.

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Akteure

Solistinnen und Solisten

Sopran

Alt/Altus

Orchester

Leitung & Cembalo
Rudolf Lutz

Violine
Éva Borhi, Lenka Torgersen, Ildikó Sajgó, Péter Barczi, Petra Melicharek

Viola
Martina Bischof, Anne Sophie van Riel, Nadine Henrichs, Andreas Torgersen

Violoncello
Maya Amrein, Sabina Diergarten-Leemann, Daniel Rosin

Violone
Markus Bernhard

Oboe
Rodrigo López Paz, Clara Espinosa Encinas

Fagott
Susann Landert

Taille
Katharina Arfken

Corno da caccia
Stephan Katte, Thomas Friedländer

Orgel
Nicola Cumer

Werkeinführung

Mitwirkende
Rudolf Lutz, Pfr. Niklaus Peter

Reflexion

Reflexion
Olivia El Sayed

Aufnahme & Bearbeitung

Aufnahmedatum
29.05.2026

Aufnahmeort
Trogen AR (Schweiz) // Evangelische Kirche

Tonmeister
Stefan Ritzenthaler

Regie
Meinrad Keel

Produktionsleitung
Johannes Widmer

Produzentin
GALLUS MEDIA AG, Schweiz

Herausgeberin
J. S. Bach-Stiftung, St. Gallen, Schweiz

Zum Werk

Erste Aufführung
6. Juni 1729 in Leipzig

Textdichter
Satz 2–4: aus «Ernst-Scherzhaffte und Satyrische Gedichte», Teil 3, Christian Friedrich Henrici (Picander), 1732
Satz 5: Strophe 1 aus «Herzlich lieb hab’ ich dich, o Herr» von Martin Schalling, 1571

Entstehung & Vertonung

In aller Grossartigkeit blieb Bach stets bodenständig und neigte an sich kaum zur kompositorischen Hybris. Doch der von ihm 1729 in der Sinfonia zur Kantate BWV 174 vorgelegte Versuch, den bereits neun- und in einzelnen Passagen sogar zehnstimmigen Kopfsatz des Brandenburgischen Konzertes Nr. 3 noch um ein obligates Hörnerpaar sowie einen Oboen-Streicher-Chor zu erweitern, kommt in seiner kühnen Meisterschaft einem solchen Unterfangen doch ziemlich nahe. Ob Bach so den in der Kantate thematisierten himmelweiten Unterschied zwischen göttlicher Majestät und unvollkommenen menschlichen Liebesstreben ausdrücken wollte, muss offenbleiben. Die auf dieses massive Portal folgenden Rezitative und Arien versuchen sich nicht an einer weiteren Überbietung, sondern setzen ganz auf dezente Klangfarben und klug disponierte Unisonoführungen. Der Text des Librettisten Christian Friedrich Henrici (genannt Picander) jedenfalls trifft thematisch das Proprium des zweiten Pfingsttages genau: Gottes Geist als Geist der Liebe («Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.» Johannes 3.16). Ebenso treffend ist der Schlusschoral «Herzlich lieb hab’ ich dich, o Herr» von Martin Schalling (1571) gewählt.

1. Sinfonia

1. Sinfonia

Bachs kühne Erweiterung des auf drei gleichberechtigten Streichergruppen beruhenden Brandenburgischen Konzertsatzes setzt den ergänzten Streicher-Oboen-Chor vor allem zur klanglichen Massierung und Akzentverstärkung ein, während das obligate Hörnerpaar in seiner heraldischen Wirkung tatsächlich eigenständige Wege geht. Wie Bach in diesem Satzkonstrukt zugleich strategisch planend und pragmatisch musikantisch vorgeht, ist von verblüffender Natürlichkeit und Überzeugungskraft.

2. Arie — Alt

Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte,
er hat mich auch am höchsten lieb.
Gott allein
soll der Schatz der Seelen sein,
da hab ich die ewige Quelle der Güte.

2. Arie — Alt

Der Kantatentext stammt aus Christian Friedrich Henricis «Ernst-Schertzhafften und Satyrischen Gedichten» (gedruckt erst 1732), welche die Thematik von Gottes Liebe (Genitiv subj. + obj.) des 2. Pfingsttages aufnimmt: «Also hat Gott die Welt geliebt … (Johannes 3.16). Und so singt die Alt-Arie von der Liebe zum Höchsten, weil Gott den Menschen «am höchsten» liebt. Dieser Geist der Liebe wird an Pfingsten gefeiert. Nach dem wuchtigen Kantatenbeginn setzt die ohne dazwischengeschaltetes Rezitativ folgende und mit Alt und zwei Solo-Oboen besetzte Arie ganz auf klangliche Eleganz, verzückte Heiterkeit und stimmliche Lieblichkeit, wozu der schwebende 6∕8-Takt und die geradezu himmlische Ausdehnung einiges beitragen.

3. Rezitativ — Tenor

O Liebe, welcher keine gleich!
O unschätzbares Lösegeld!
Der Vater hat des Kindes Leben
vor Sünder in den Tod gegeben
und alle, die das Himmelreich
verscherzet und verloren,
zur Seligkeit erkoren.
Also hat Gott die Welt geliebt!
Mein Herz, das merke dir,
und stärke dich mit diesen Worten;
vor diesem mächtigen Panier
erzittern selbst die Höllenpforten.

3. Rezitativ — Tenor

Im Tenor-Rezitativ wird die Botschaft der Johannesperikope – die Passion Christi als ein Werk der Liebe Gottes, welche Befreiung (Lösegeld) und Erlösung bewirkt – als Worte bezeichnet, die selbst die Höllenpforten erzittern lassen! Zu diesem dem Tenor anvertrauten gewichtigen Text hat Bach ein feierliches und auch harmonisch exquisit gesetztes Accompagnato komponiert, das durch im jeweils dreifachen Unisono ausstreichende Violinen und Violen reiche Tiefe erhält.

4. Arie — Bass

Greifet zu, faßt das Heil, ihr Glaubenshände,
faßt das Heil, greifet zu!
Jesus gibt sein Himmelreich
und verlangt nur das von euch:
Gläubt getreu bis an das Ende!

4. Arie — Bass

Beschwingt und wortspielerisch spricht Picander in der Bass-Arie die «Glaubenshände» an – die Gläubigen mit ihren begrifflichen «Händen» – und fordert sie auf: «Greifet zu»! Sie sollen sich dieses Heilsangebot nicht entgehen lassen, denn der Preis für Jesu «Himmelreich» sei (nur) ein getreuer Glaube bis ans Ende. Als wollte er in dieser Kantate den Weg von virtuos ausgekosteter Vielstimmigkeit hin zu verinnerlichter Einheit hörbar machen, lässt Bach in der Bass-Arie nun sämtliche Streicher über einem lakonisch stützenden Continuo eine inspiriert federnde Oberstimme im Unisono vortragen. Die von dieser sehr besonderen Orchester-Etüde ausgehende warme Klangfülle trägt und inspiriert den Bass-Solisten zu einem eindringlichen Vortrag, in dem das gute Ende allen Strebens schon mitkomponiert ist.

5. Choral

Herzlich lieb hab ich dich, o Herr.
Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern
mit deiner Hülf und Gnaden.
Die ganze Welt erfreut mich nicht,
nach Himml und Erden frag ich nicht,
wenn ich dich nur kann haben.
Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht,
so bist du doch mein Zuversicht,
mein Heil und meines Herzens Trost,
der mich durch sein Blut hat erlöst.
Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr,
mein Gott und Herr,
in Schanden laß mich nimmermehr!

5. Choral

Die Kantate schliesst mit der ersten Strophe des Chorals von Martin Schalling «Herzlich lieb hab ich dich, o Herr» aus dem Jahr 1571, welche als Antwort auf Gottes Liebe von der antwortenden Liebe und Dankbarkeit des Menschen spricht: «Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, so bist du doch mein Zuversicht, mein Heil und meines Herzens Trost.» Während die Streicher und Oboen den Vokalsatz verdoppeln, mag Bach wohl aufgrund des demütigen Textes auf die triumphierend knatternden Hörner des Eingangs verzichtet haben. Während dort klangarchitektonisch wirklich alles möglich schien, dürfte der Meister eben doch gewusst haben, dass weniger manchmal mehr ist.

J. S. Bach-Stiftung Bildmarke
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Quellenangaben

Alle Kantatentexte stammen aus «Neue Bach-Ausgabe. Johann Sebastian Bach. Neue Ausgabe sämtlicher Werke», herausgegeben vom Johann-Sebastian-Bach-Institut Göttingen und vom Bach-Archiv Leipzig, Serie I (Kantaten), Bd. 1–41, Kassel und Leipzig, 1954–2000.

Alle einführenden Texte zu den Werken, die Texte «Vertiefte Auseinandersetzung mit dem Werk» sowie die «musikalisch-theologische Anmerkungen» wurden von Anselm Hartinger und Pfr. Niklaus Peter sowie Pfr. Karl Graf verfasst unter Bezug auf die Referenzwerke: Hans-Joachim Schulze, «Die Bach-Kantaten. Einführungen zu sämtlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs», Leipzig, 2. Aufl. 2007; Alfred Dürr, «Johann Sebastian Bach. Die Kantaten», Kassel, 9. Aufl. 2009, und Martin Petzoldt, «Bach-Kommentar. Die geistlichen Kantaten», Stuttgart, Bd. 1, 2. Aufl. 2005 und Bd. 2, 1. Aufl. 2007.

J. S. Bach-Stiftung Bildmarke
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Quellenangaben

Alle Kantatentexte stammen aus «Neue Bach-Ausgabe. Johann Sebastian Bach. Neue Ausgabe sämtlicher Werke», herausgegeben vom Johann-Sebastian-Bach-Institut Göttingen und vom Bach-Archiv Leipzig, Serie I (Kantaten), Bd. 1–41, Kassel und Leipzig, 1954–2000.

Alle einführenden Texte zu den Werken, die Texte «Vertiefte Auseinandersetzung mit dem Werk» sowie die «musikalisch-theologische Anmerkungen» wurden von Anselm Hartinger und Pfr. Niklaus Peter sowie Pfr. Karl Graf verfasst unter Bezug auf die Referenzwerke: Hans-Joachim Schulze, «Die Bach-Kantaten. Einführungen zu sämtlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs», Leipzig, 2. Aufl. 2007; Alfred Dürr, «Johann Sebastian Bach. Die Kantaten», Kassel, 9. Aufl. 2009, und Martin Petzoldt, «Bach-Kommentar. Die geistlichen Kantaten», Stuttgart, Bd. 1, 2. Aufl. 2005 und Bd. 2, 1. Aufl. 2007.

Publikationen
Zum Werk 

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Heute: 5. Juni 2026

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